AKTUELLESInfoJugendbereichReitbereichKinderbereichKooperation

 

Konzeption

1. Kurzbeschreibung der Einrichtung

2. Geschichte

3. Stadtteil / Standort

4. Zielgruppen, Klientel und Nutzungsformen

5. Ziele

6. Methoden / Arbeitsprinzipien

7. Arbeit in den Bereichen

8. Zusätzliche Angebote

9. Angebote zur Lebenshilfe

10. Rahmenbedingungen

11. Öffnungszeiten

12. Zielkontrolle und Qualitätssicherung

13. Vernetzung / Kooperationspartner

14. Öffentlichkeitsarbeit

 

 

 

 

 

 

 

1. Kurzbeschreibung der Einrichtung

 

Im freiwillig gewählten Kontakt mit Tieren, Pflanzen, den natürlichen Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und miteinander entdecken Kinder und Jugendliche ihre Talente und erweitern ihre Erfahrungen. Einfache, einsehbare und gleichzeitig notwendige Tätigkeiten wie Versorgung der Tiere, Reparaturen oder Gartenpflege bilden den Ausgangspunkt aller Beschäftigungen. Die Übergänge zwischen Spielen und Lernen sind fließend: Ökologische Kenntnisse können aus der Beobachtung sowie handwerkliche Fertigkeiten durch das eigene Tun gewonnen werden.

 

Kinder und Jugendliche lernen im Umgang mit Tieren und Pflanzen Verantwortung zu tragen und die Bedeutung des eigenen Handelns für sich, für ihre Mitmenschen, andere Lebewesen und ihre Umwelt zu erkennen. Sie übernehmen freiwillig und ihren eigenen Fähigkeiten entsprechend kleine überschaubare Aufgaben. Bei deren Bewältigung erproben, vertiefen und erweitern sie das eigene Können und Wissen und erleben Erfolge.

 

Bei der Tierpflege, beim Anlegen eines Gartenbeetes, beim Basteln, Bauen und Spielen werden für die Kinder und Jugendlichen die eigenen Möglichkeiten und Grenzen erfahrbar. Sie lernen, sich mit etwas Selbstgeschaffenem oder in die eigene Obhut Genommenem zu identifizieren. Das gemeinsame Tätigsein im Garten, bei der Versorgung der Ponys, der Nutz- und Streicheltiere und im landwirtschaftlichen Bereich bildet eine gute Grundlage für positive Gruppenerlebnisse. In diesem Umfeld entfalten sich die Kinder und Jugendlichen frei und steigern ihr geistiges, körperliches und seelisches Wohlbefinden.

 

2. Geschichte

 

Die Entwicklung der Abenteuerspielplätze, Jugendfarmen und ähnlicher Einrichtungen geht auf den dänischen Landschaftsarchitekten C.T.SÆrensen zurück. Während des zweiten Weltkrieges entdeckte SÆrensen, dass Kinder weniger die teuren, von Erwachsenen errichteten Spielplätze bevorzugten, als sich vielmehr auf Schrottplätzen und anderen unwirtlichen Gegenden "ihre eigene Spiel- und Abenteuerwelt" schufen. Diese Beobachtungen veranlaßten SÆrensen, 1943 in Endrup bei Kopenhagen den ersten "skrammeleplads" für Kinder zu eröffnen.

 

Solche sich bald in ganz Dänemark ausbreitenden Gerümpelspielplätze, auf denen die Kinder mit Abfallmaterialien spielten, bastelten und bauten, entwickelten sich weiter zu den Bauspielplätzen.
Auch die britischen "adventure playgrounds", "Robinson-Spielplätze" in der Schweiz sowie die deutschen Bau- und Abenteuerspielplätze in Berlin, Aktivspielplätze und Kinder- und Jugendfarmen gingen aus dem dänischen Vorbild hervor.

 

Die Entstehung der ersten Jugendfarm (Elsental/Stuttgart) im Nachkriegsdeutschland ging auf das Engagement der Familie Thyra und Edgar Böhms zurück. Sie stellten ihr Gelände zunächst für Pferde und Ponies von Freunden zur Verfügung. Das stetige Anwachsen der Zahl von Kindern und Jugendlichen, die sich um die Tiere kümmerten, machte den Initiatoren deutlich, daß sie hiermit eine Einrichtung für Kinder geschaffen hatten, die ganz offensichtlich genau deren Interesse entsprach. Nach 10 Jahren ehrenamtlichen Engagements gelang es, 1972 für diese Arbeit öffentliche Unterstützung durch die Ämter zu erhalten.

 

Inspiriert durch die Mitarbeit auf der Jugendfarm im Elsental gründete Marie-Luise von der Sode 1980 gemeinsam mit Renate Kramer und einer kleinen Gruppe engagierter junger Menschen den Verein "Kinder- und Jugendfarm Kiel und Umgebung e.V.".
Im Jahr zuvor hatte Steffen Etzel (damaliger Geschäftsführer des Kreisverbandes Kiel der Arbeiterwohlfahrt) mit Kindern und Jugendlichen auf einer Informationsreise und durch den Kontakt mit der dänischen Wohnungsbaugesellschaft SBBU (Finanzier diverser sozialer Einrichtungen in Dänemark) Jugendfarmen in Kopenhagen besucht. Anschließend setzte er sich gemeinsam mit Silke Reyer (damalige 1. Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Kv Kiel) dafür ein, in Kiel ähnliche Freizeiteinrichtungen zu schaffen. Geeignet erschien der 1770 erbaute "Hof Eggers". Der erhaltenswerte Hof am Rande des Neubaugebietes Kiel-Mettenhof stand seit zwei Monaten leer.

 

Beide Interessengruppen fanden zusammen und bald wurde die Idee, einen Kinder- und Jugendbauernhof im Raum Kiel einzurichten, in die Tat umgesetzt. Der Hof "Eggers" wurde mit Geldern und großer Unterstützung von Seiten der Arbeiterwohlfahrt und der Stadt Kiel sowie zahlreichen Spenden, großem Engagement der Mitarbeiterinnen und ehrenamtlichem Einsatz aller Beteiligten einschließlich Kinder und Jugendlicher zu dem in Schleswig-Holstein einzigartigen Kinder- und Jugendbauernhof umgebaut. Am 1. Mai 1981 öffnete der Kinder- und Jugendbauernhof der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Kiel e. V. seine Tore.

 

3. Stadtteil / Standort

 

Der Stadtteil Mettenhof ist eine Hochhaussiedlung am Stadtrand mit all ihren extremen sozialen Problemen. Hier leben ca. 20 000 Menschen, davon 6000 unter 22 Jahre. Der Bauernhof liegt am Rande dieser Trabantenstadt.

 

4. Zielgruppen, Klientel und Nutzungsformen

 

Das Gelände ist für alle Kinder und Jugendlichen ab 6 Jahren ohne Begleitung durch Erwachsene während der Öffnungszeiten jederzeit zugänglich. Jugendliche über 18 Jahre können den Hof zweimal in der Woche besuchen.

 

Entsprechend dem sozialen Umfeld im Einzugsgebiet bilden Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien eine wichtige Zielgruppe. Die Familiensituation der Besucherklientel umfasst ein breites Spektrum von Einzelkindern bis zu sehr kinderreichen Familien. Es gibt Besucherkinder und -jugendliche, deren Eltern getrennt leben oder allein erziehend sind, arbeitslos sind, Sozialhilfe empfangen oder Suchtprobleme haben. Manche Familien leben in sehr beengten Wohnverhältnissen. Es besuchen regelmäßig Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, motorischen Störungen, Lern- und Sprachschwächen den Kinder- und Jugendbauernhof.

 

Die Besucherinnen sind von unterschiedlicher nationaler Herkunft. Das quantitative Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen ist ausgewogen. Die meisten Kinder und Jugendlichen besuchen Haupt- oder Sonder- oder Förderschulen, einige die Realschule oder das Gymnasium.

 

Neben Kindern und Jugendlichen nutzen Mütter/Väter mit Kleinkindern, Familien, Großeltern die Freizeitmöglichkeiten auf dem Kinder- und Jugendbauernhof.
Pädagogische Einrichtungen wie Schulklassen, Kindertagesstätten, Hort-, Behindertengruppen, etc. machen regelmäßig von der Ausstattungs- und Angebotsvielfalt des Hofes Gebrauch.
Manche Besuchergruppen nehmen eine Hofführung in Anspruch.

 

Von außen kommende Gruppen können nach Absprache die Infrastruktur des Hofes für ihre Zwecke nutzen. Familien nutzen die Räume und das Hofgelände gerne zum Feiern von Kindergeburtstagen.

 

Insgesamt besuchen pro Tag durchschnittlich 60-120 Kinder bzw. Jugendliche den Bauernhof. Im Sommer, bei trockenem Wetter, in den Ferien und bei besonderen Festen können es wesentlich mehr sein.

 

5. Ziele

 

Das Miteinander auf dem Kinder- und Jugendbauernhof fördert die geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.

 

Die pädagogische Arbeit unterstützt die Kinder und Jugendlichen in:
 

 

Sie fördert bei den Kindern und Jugendlichen, regt an und ermöglicht ihnen:

 

 

6. Methoden / Arbeitsprinzipien

 

Der Kinder- und Jugendbauernhof ist offen für alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von ihren sozialen, wirtschaftlichen, körperlichen und geistigen oder ihre nationale Herkunft betreffenden Voraussetzungen.

 

Alle Angebote, die auf dem Kinder- und Jugendbauernhof stattfinden, sind offen für alle Besucher und i. d. R. kostenlos. Teilnehmeroffenheit, Kostenfreiheit und die Kontinuität einer ganzjährigen täglichen Öffnungszeit ab 10°° Uhr an sechs Tagen in der Woche auch an Feiertagen und in den Ferien sind wesentliche Rahmenbedingungen der pädagogischen Arbeit auf dem Hof.
Neben speziellen pädagogischen Angeboten der jeweiligen Bereiche finden bereichs- und altersübergreifende Aktivitäten statt, z. B Sport, Spiel, Weidepflege, Feste etc..

 

Die Kinder und Jugendlichen werden soweit wie möglich in das Hofgeschehen miteinbezogen. In regelmäßigen Besprechungen der verschiedenen Angebote haben die Kinder und Jugendlichen Möglichkeiten, ihre Wünsche in Programminhalte und Planungen einzubringen und demokratische Spielregeln zu erleben. Diese Form der Partizipation trägt auch zur Veränderung und Weiterentwicklung der Einrichtung bei. Der lebendige Wandel ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Kinder- und Jugendbauernhofes.
Der Kinder- und Jugendbauernhof bietet den Kindern und Jugendlichen Raum ihre Wünsche nach individueller Freizeitgestaltung und zum Selbst-Aktiv-Werden innerhalb eines `geschützten Raumes´ umzusetzen. Über das Selbst-Tätig-Werden bringen sie ihre Kenntnisse, Fähigkeiten, Erfahrungen und Bedürfnisse ein und setzen diese um. Dabei machen sie laufend neue praktische Alltagserfahrungen, die ihre spätere Berufsfindung erleichtern können.

 

Die Zuverlässigkeit des pädagogischen Personals ist grundlegendes Qualitätsmerkmal der pädagogischen Arbeit auf dem Kinder- und Jugendbauernhof. Sie zeigt sich den Kindern und Jugendlichen in regelmäßiger Präsenz und Ansprechbarkeit sowie in verbindlichen Absprachen. Dies vermittelt den jungen Menschen das Gefühl ernst genommen zu werden.
Im Rahmen dieser Beziehungsarbeit erleben die Kinder und Jugendlichen auch von Mitarbeiterinnen klar gesetzte Grenzen. Sie haben die Chance sich bewusst damit auseinanderzusetzen.

 

Bei Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen den Besuchern ist das Schlichtungsgespräch eine bewährte Form, mit den Beteiligten die Situation zu reflektieren und eine gemeinsame Lösung zu suchen. Mittlerweile wird diese Form der Friedensstiftung von vielen Kindern und Jugendlichen selbst eingefordert.

 

Die Kinder und Jugendlichen werden kontinuierlich in den verschiedenen Betätigungsfeldern auf dem Hof vom pädagogischen Personal betreut. Sie können so in ihrer Persönlichkeitsentwicklung über einen längeren Zeitraum positiv gefördert werden.

 

Treten bei einzelnen Kindern oder Jugendlichen Verhaltensauffälligkeiten auf werden diese bereits im Entstehen aufgegriffen. Ggf. wird in Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern und anderen Betreuungspersonen auf eine Verhaltensänderung hingewirkt.

 

7. Arbeit in den Bereichen

 

Alle Aktivitäten auf dem Kinder- und Jugendbauernhof gehen aus von den drei großen Erlebnisbereichen, dem Reit-, Kinder- und dem Jugendbereich.

 

7.1. Reitbereich

 

Ein großer Anziehungspunkt auf dem Kinder- und Jugendbauernhof ist der Reitbereich. Neben den Ponys und Pferden lockt ein abwechslungsreiches und attraktives Programm an fünf Tagen in der Woche.

 

Der Umgang mit dem Medium Pferd bietet den Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten für die individuelle und soziale Entwicklung. Sie erlernen wertvolle Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen, Disziplin und Fairneß.
Zu den weiteren Zielen im Reitbereich gehören die Förderung sport- u. gesundheitsbezogener Aspekte. Kinder und Jugendliche auch aus sozial benachteiligten Familien erlernen freiwillig und spielerisch das Reiten. Gemeinsam in Kleingruppen überneh-men sie Verantwortung für ein Pflegepferd. Das erfordert ein hohes Maß an persönli-chem Einsatz und schult die soziale Kontaktfähigkeit.
Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen werden in den täglichen und wöchentlichen Besprechungen alle Tätigkeiten rund ums Reiten und die Ponys geklärt, Programmplanungen besprochen, Ideen, Vorschläge und Wünsche der Kinder und Jugendlichen diskutiert und verwirklicht.
In alle zu verrichtenden Tätigkeiten wie die Pflege und Fütterung der Ponys, die tägliche Säuberung von Boxen, Reitplatz, Weiden, Paddock, die Pflege des Sattel-zeugs sowie kleinere Instandhaltungsarbeiten werden die Kinder und Jugendlichen einbezogen. Bei anstehender Behandlung durch Tierarzt oder Schmied stehen die jeweiligen Pflegerinnen nach Möglichkeit ihrem Pflegetier zur Seite.

 

Mit der freiwilligen Übernahme überschaubarer Tätigkeiten zeigen die Kinder und Jugendlichen ihre Bereitschaft und Fähigkeit, sich an der Durchführung notwendiger Gemeinschaftsarbeiten zu beteiligen und Verantwortung zu übernehmen.

 

Die Pflege für ein Pony teilen sich in der Regel drei bis vier Kinder bzw. Jugendliche. Nach Absprache untereinander wechseln sich die Pfleger mit dem Reiten und der Erfüllung der Aufgaben ab.
Die Anfängerinnen erhalten regelmäßig Reitunterricht an der Longe und im freien Reiten.
Für die Fortgeschrittenen beinhaltet der Unterricht je nach Ausbildungsstand Sitzschulung, Abteilungsreiten, Ausritte, Quadrille und Springstunden. Erlernte Fähigkei-ten werden von den Erfahreneren an die Einsteigerinnen weitergegeben.
Nach dem Reitunterricht haben die Kinder und Jugendlichen, die sich nicht regelmäßig im Reitbereich aufhalten, die Möglichkeit, die Ponys/Pferde trocken zu reiten. Letzteres ist für viele Kinder der Einstieg, regelmäßig an den Angeboten im Reitbe-reich teilzunehmen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit im Reitbereich ist die Vermittlung eines achtsamen Umgangs mit den Tieren. Beim täglichen Putzen wird die Basis für ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen den Tieren und den Pflegern gelegt. Schon hierbei erleben die Kinder und Jugendlichen die Ponys als individuelle Wesen mit unterschiedlich ausgeprägten Charaktereigenschaften. Allmählich lernen die Kinder, die jeweilige Tagesform der Tiere einzuschätzen und selbständig beim Putzen den Gesundheitszustand der Tiere zu kontrollieren. Umgekehrt reagieren die Tiere sehr sensibel auf die aktuelle Gemütsverfassung ihrer Pflegerinnen und machen sie auf `Pferde´art darauf aufmerksam.
Vertiefte Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten im Umgang mit den Ponys bietet die so genannte Bodenarbeit. Dazu gehören Wahrnehmungsübungen für Pferd und Reiter, Verladetraining, Pferdemassage u.ä..

 

In begrenztem Rahmen findet therapeutisches Reiten für behinderte Kinder und Jugendliche statt.
Für reitinteressierte Besucherinnen wird regelmäßig Reiten an der Longe bzw. Ponyführen angeboten. Dieses Angebot wird häufig von kleinen Kindern wahrgenommen, die in Begleitung ihrer Eltern den Hof besuchen. Dies ist für viele Kinder der Einstieg zur selbständigen Beteiligung an den vielfältigen Aktivitäten auf dem Kinder- und Jugendbauernhof.

 

7.2. Kinderbereich

 

Die pädagogische Arbeit im Kinderbereich umfasst in erster Linie die bauernhofspezifischen Angebote im Außengelände mit den Tieren und im Garten. Außerdem können draußen ein Hüttenbauplatz, Klettertürme, Kinderspielgeräte, eine Sandkiste, Sportplätze und der zentrale Hofplatz für pädagogische Angebote oder für die durch Aufsicht betreute Freizeitgestaltung der Kinder genutzt werden. Bei schlechtem Wetter und in der kalten Jahreszeit stehen für Innenangebote des Kinderbereiches zwei kleine beheizbare Räume zur Verfügung. Hier wird gekocht, gespielt, gelesen, getobt, gefeiert, gebastelt oder ähnliche Aktionen für interessierte Kinder angeboten. Der Turnraum wird zusätzlich für Bewegungsspiele, Entspannungsübungen oder zum ausgiebigen Toben genutzt. Darüber hinaus werden auch Angebote außerhalb des Hofes durchgeführt, wie z.B. Theaterbesuche, Schwimmen, Geländespiele, Besuche von anderen Bauernhöfen und Festen im Raum Kiel und Umgebung sowie Ausflüge in´s Umland.

 

7.2.1. Bereich der Nutz- und Streicheltiere

 

An den Ereignissen im Tierbereich nehmen alle Kinder und Jugendlichen großen Anteil: Sie helfen bei der täglichen Fütterung und Pflege, beteiligen sich an der Futtermittelbeschaffung wie z.B. Heuernte, schließen sich Spaziergängen mit Tieren an, zeigen Interesse oder gehen den Erwachsenen zur Hand bei Aktionen wie Klauenpflege, Wurmkuren und Schafschur oder Reparaturarbeiten.

 

Gerade für die Jüngeren bietet sich über das Zuschauen beim Füttern und Streicheln der Tiere bis hin zum Mitmachen in der Kaninchengruppe ein idealer Einstieg in das Bauernhofgeschehen. Für Kinder, die aus einem städtischen Ballungsgebiet kommen, ist es oft der erste Kontakt zu Tieren. Über das Anfassen der Tiere erleben die Kinder Wärme, Nähe und Geborgenheit.
Ganz nebenbei entsteht so in den Kindern Interesse für biologische und natürliche Zusammenhänge, das weiter gefördert werden kann. Natürliche Lebensrhythmen und -kreisläufe werden für die Kinder praktisch nachvollziehbar; so in der täglichen Tierversorgung, bei Geburt, Krankheit, Altern und Tod von Tieren und bei der Aufzucht von Jungtieren. Das Melken der Ziegen, das Verarbeiten von Ziegenmilch und frisch gelegter Hühnereier machen für die Kinder Wert und Nutzen der Tiere für den Menschen erfahrbar.

 

Ein regelmäßiges Gruppenangebot ist die Kaninchengruppe. Zwei bis drei Kinder beschäftigen sich gemeinsam mit einem Pflegetier. Die Kaninchenpflegerinnen lernen im praktischen Umgang mit den Tieren aus eigenem Erleben das Verhalten, die natürlichen Bedürfnisse und Ausdrucksformen ihres Pflegetieres kennen und üben sich aus eigenem Antrieb im achtsamen Umgang mit den Tieren.
Das Gruppentreffen bietet den Pflegern Gelegenheit zum Informationsaustausch und zum gemeinsamen Durchführen anstehender Arbeiten wie Ställe misten u.ä..
Bienenvölker ergänzen das Tier(er)leben auf dem Kinder- und Jugendbauernhof. Interessierte Kinder schließen sich der `Bienengruppe´ an und beobachten dort unter fachkundiger Anleitung die Bienen beim Pollensammeln, lernen die Tätigkeit eines Imkers kennen und helfen ihm bei Arbeiten wie Wabenentnahme, Honigschleudern etc..
Lebensweise, Entwicklung und Verhalten von Bauernhoftieren werden zusätzlich in Form von Spielen, Geschichten und Werkstätten aufgegriffen. Hier vertiefen die Kinder ihre Erfahrungen und erwerben zusätzliche Kenntnisse.
Besuche beim Tierarzt und die Teilnahme mit Streicheltieren an Stadtteilfesten werden von den Kindern stets interessiert begleitet.

 

7.2.2. Garten

 

Der 500 qm große Bauerngarten ist während der Gartensaison von Februar bis November an mehreren Tagen pro Woche betreut geöffnet. Das ermöglicht den Kindern allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen aktiv zu werden. Sie können Gartengeräte ausleihen und mit anderen ins Gespräch kommen oder einfach den Garten genießen.
Motiviert durch ihr eigenes Interesse an Pflanzen, Bodentieren, Vögeln oder den Menschen, die im Garten tätig sind, gestalten die Kinder freiwillig entsprechend ihren Interessen und Talenten ihr Gartenvorhaben. Oder sie beteiligen sich an gemeinsamen Garten-Aktivitäten im Jahreslauf und den damit verbundenen pädagogischen Angeboten.

 

Kinder, die den Wunsch haben, längerfristig ein eigenes Beet zu pflegen, gestalten und bearbeiten in einer Kleingruppe von zwei bis vier Kindern unter Anleitung ein eigenes kleines Stück Garten mit Pflanz- und Saatgut.
Einmal wöchentlich trifft sich die Gartengruppe. Hier wird über die gerade anstehende Garten-Aktion, deren Einbettung in den natürlichen Jahreslauf und die Zusammenarbeit im Garten miteinander gesprochen. Für die Gartengestaltung werden Ideen und Vorhaben entwickelt, und Möglichkeiten, sie in die Tat umzusetzen, werden organisiert und ausprobiert. Die verschiedenen Gartenthemen werden Spielaktionen und Geschichten erlebt.
Gemeinschaftsbeete bieten Kindern, die nicht längerfristig ein eigenes Beet pflegen, die Möglichkeit in einer größeren Gruppe gemeinsam die Erde und Pflanzen zu pflegen, zu gestalten und zu ernten.

 

Mit dem frisch geernteten Obst und Gemüse kochen die Kinder einfache Gerichte und lernen verschiedene Techniken der Haltbarmachung von Lebensmitteln (Marmelade, eingewecktes Obst, Fruchtsäfte etc.) anzuwenden. Hierdurch werden den Kindern Ernährungszusammenhänge deutlich. Einen Teil der Ernte ihres Beetes nehmen die Kinder mit nach Hause. Die Grünabfälle werden über die Kompostierung wieder dem Garten zugeführt.

 

Bei der Betätigung im Garten, der Kompostierung und dem direkten Umgang mit dem Element "Erde" wird das Interesse der Kinder an allem Lebendigen (Würmer, Eier, Larven, Samen, Setzlinge, etc.) im Boden geweckt. Dies bietet einen guten Ausgangspunkt durch aktives Handeln, Einblicke in ökologische Zusammenhänge zu ermöglichen, die Folgen des Handelns sichtbar zu machen und verantwortungsbewußt eigene Ideen zu verwirklichen.

 

7.2.3. Hüttenbaubereich und Lagerfeuer

 

Die Kinder können Werkzeug und Material zum Bauen ausleihen und haben die Möglichkeit sich allein oder in kleinen Gruppen zu entfalten. Das pädagogische Personal sorgt für die Wahrung der Aufsichtspflicht und kontrolliert regelmäßig die Statik der durch Kinderhand entstandenen Bauten.

 

Hier ist für die Kinder Raum und Gelegenheit kreative Ideen, räumliches Vorstellungsvermögen und manuell-handwerkliches Geschick zusammenzubringen und gemeinsam auszuprobieren.
Meist sind vier bis sechs Kinder und Jugendliche gemeinsam mit dem Bau einer Hütte beschäftigt. Einmal wöchentlich werden in der "Hüttenbaubesprechung" Veränderungswünsche in Bezug auf die Konstellation der Hüttenbaugruppen diskutiert. Hier können sie ihre Anliegen und Wünsche besprechen.

 

Die neben den Hütten gelegene Feuerstelle wird von allen Altersgruppen gerne genutzt. Regelmäßig werden hier Stockbrot und Bratäpfel gebacken und es wird gegrillt. Kinder und Jugendliche erleben unter der Aufsicht von Betreuern das Naturelement "Feuer", erfahren seinen Nutzen und erlernen mit den vom Feuer ausgehenden Gefahren umzugehen. Als "offizielle Zündelstelle" kanalisiert dieser Platz ein elementares Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen.
Im nebenan gelegenen Räucherofen werden gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen von Zeit zu Zeit Fische geräuchert.

 

7.2.4. Ökologische Angebote

 

Die Grundlage für die ökologische Arbeit auf dem Kinder- und Jugendbauernhof bildet das alltägliche Bauernhofgeschehen. In der täglichen Versorgung der Tiere und Pflanzen und deren Variation im Jahreslauf erleben die Kinder und Jugendlichen natürliche Kreisläufe, ökologische Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen Lebewesen und Umweltgegebenheiten im Großen und Kleinen.
Die Vielfalt der Klein- und Großtiere sowie der natürlich gewachsenen und kultivier-ten Biotope bieten immer wieder neue, reizvolle Anregungen mit allen Sinnen zu lernen und sich an der Natur zu erfreuen.

 

In den Tier- und Gartengruppen, speziellen Angeboten wie der Umweltgruppe und umweltbezogenen Themenprojekten erweitern die Kinder und Jugendlichen ihre Kenntnisse und ihr Erlebnisspektrum, die Beobachtungsgabe wird geschult. Sie lernen Pflanzen und Tiere in ihren Lebensräumen kennen und den Einfluß von Umweltparametern wie Nahrungsangebot, Temperatur, Licht, Feuchtigkeit etc. auf alles Lebendige innerhalb ihres Erfahrungshorizontes einzuschätzen.

 

So werden Wert von Tieren und Pflanzen im ökologischen Kreislauf erfahrbar. Die Kinder lernen, die Natur in all ihren Erscheinungsformen zu achten und erfahren Möglichkeiten die Umwelt zu schützen.
Im Feiern von Jahreskreisfesten, bei gemeinsamen Ernteaktionen und Mahlzeiten erleben und erlernen die Kinder und Jugendlichen Wertschätzung der natürlichen Grundlagen des menschlichen Lebens.

 

Für Kindergärten, Schulklassen und andere sozialpädagogische Gruppen besteht die Möglichkeit einer Führung auf dem Bauernhof zum Kennenlernen von Haus- und Nutztieren und der Pflanzenwelt. Projektarbeiten von Schulklassen auf dem Hofgelände werden angeregt, Unterstützung bei deren Planung und Durchführung angeboten.

 

7.3. Jugendbereich

 

Der Jugendbereich bietet Mädchen und Jungen ab 12 Jahre Angebote zu Sport, Spiel, Technik, Landwirtschaft, Medien, Politik und Berufsvorbereitung.
Neben dem Anliegen, die Jugendlichen von der Straße zu holen, ist wesentliches Ziel der pädagogischen Arbeit, die Jugendlichen in ihrer individuellen Entwicklung und bei der Ausbildung ihrer gesellschaftlichen Kompetenzen unterstützend zu fördern.

 

Die Vielfalt der Erlebnisse in den verschiedenen Gruppen vermittelt den Jugendli-chen ein differenziertes Bild vom sozialen Miteinander. Sie erfahren unterschiedliche Formen der persönlichen Begegnung, der gegenseitigen Unterstützung und Bereicherung, den Wert individueller und gemeinschaftlicher Fähigkeiten und erleben Situationen der persönlichen Stärkung durch eine Gruppe.
Jugendliche ab 18 Jahren können den Kinder- und Jugendbauernhof noch zweimal wöchentlich besuchen. Diese Einschränkung fördert einen sinnvollen Ablösungsprozess.

 

Naturgemäß ist auf dem `Bauernhof´ die Landwirtschaftsgruppe (LWG) ein Angebotsschwerpunkt im Jugendbereich und Ausgang vieler Aktivitäten.
Die Jugendlichen dieser Gruppe helfen mit bei landwirtschaftlichen Tätigkeiten, die jahreszeitlich gebunden sind, wie Ernte, Wiesen-, Knick- und Weidepflege. Durch diesen Kontakt mit den Naturelementen erfahren sie ökologische Zusammenhänge. Unter Anleitung reparieren die Jugendlichen Fahrzeuge und Geräte. Wer will, kann ab 12 Jahre einen hofintern gültigen Treckerführerschein erwerben. Die Jugendlichen lernen den verantwortlichen Umgang mit Geräten und Maschinen. Sie erwerben Kenntnisse in den Bereichen Maschinentechnik, Geräte- und Motorenkunde, Elektronik.

 

Die Mädchen und Jungen der LWG besuchen gemeinsam mit den BetreuerInnen Messen und Ausstellungen zum Thema, informieren sich bei landwirtschaftlichen Genossenschaften und kaufen Material im Landhandel ein.
Bei vielen Tätigkeiten wie Misten, Heuernte und Weidepflege unterstützen sich Kinder und Jugendliche aus der LWG und dem Reitbereich gegenseitig.

 

In der Holz- und der Metallwerkstatt probieren die Jugendlichen ihre handwerklichen Fähigkeiten und entwickeln sie weiter. Hier begegnen sich handwerklich-technisches Geschick, Kreativität, abstraktes Vorstellungsvermögen und Lust am Arbeiten. Nebenbei werden die Jugendlichen angeregt, sich mit Themen wie Ausbildungsplatz, Berufs- und Arbeitsleben auseinanderzusetzen.
Spezielle berufsvorbereitende Kurse greifen die Themen Ausbildungsplatz, Berufswahl, Bewerbung etc. aus verschiedenen Perspektiven auf und vertiefen sie. (s. Kap. 9.3.2. u. 9.3.3.)

 

In allen Angeboten, die den Erwerb bestimmter Fähigkeiten beinhalten, gibt es häufig Situationen, in denen die älteren Jugendlichen den jüngeren überlegen sind. Hier lernen beide Seiten einander zu tolerieren und sich gegenseitig zu akzeptieren. Nach Klärung der individuellen Grenzen entdeckt die Gruppe meist schnell die Chancen der Situation und nutzt sie. Die Älteren geben ihr Wissen an die Jüngeren weiter, leiten sie an, geben Hilfestellungen und erleben durch die Anerkennung der Jüngeren eine persönliche Aufwertung, eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls.

 

Manche der älteren und erfahrenären Jugendlichen werden durch die Betreuer aufgefordert, den Jugendgruppenleiterschein zu erwerben und unterstützen ehrenamtlich das pädagogische Personal anderer Bereiche.

 

Das Jugendhaus bietet den Jugendlichen Raum und Gelegenheit zum Kickern, Kochen, Klönen, Basteln, Musikhören und Spielen. Gespräche untereinander und mit Betreuerinnen in diesem vertrauten und geschützten Rahmen bieten Möglichkeiten zur Diskussion über alle Themen, die Jugendliche interessieren von Schule über Liebe, Freundschaft bis zur Politik. Hier können sie Probleme ansprechen, Lösungswege entwickeln, Rat bei den Betreuern finden; Hier finden dynamische Gruppenprozesse und soziale Auseinandersetzungen statt; Hier üben sich die Jugendlichen in Strategien zur Konfliktbewältigung in verschiedenen sozialen Zusammenhängen. Von Betreuerseite erfahren die Jugendlichen dem Anlass entsprechend Bestätigung oder Kritik, erleben Verhaltens-, Handlungs- und Entscheidungsfreiräume und klare Grenzsetzungen.

 

Regelmäßig kochen und essen die Jugendlichen gemeinsam im Jugendhaus. Zuvor wird gemeinsam eingekauft. Neben der sozialen Komponente ist die gesundheitspädagogische Funktion dieses Angebotes hervorzuheben. (s. auch Kap. 9.2.)
Auf den verschiedenen Freispielflächen um das Jugendhaus treiben die Jugendlichen unter Anleitung oder selbst initiiert Sport. Sie spielen Fußball, Volleyball, Basketball und Bowle. Im Winterhalbjahr treffen sich die Jugendlichen mit Betreuerinnen in einer nahe gelegenen Schulsporthalle zu Sport und Spiel.
Ergänzend zu den Aktivitäten auf dem Bauernhof unternimmt der Jugendbereich Ausflüge ins Schwimmbad, an Seen und zum Strand, in Naturparks, Freizeitcenter etc.. Ein Ziel dabei ist, den Jugendlichen Erfahrungsmöglichkeiten zu eröffnen und sie anzuregen, auch alleine solche und ähnliche Aktivitäten zu unternehmen.

 

Zusätzlich gibt es v. a. in den Ferien spezielle "Highlights". Dazu gehören Segeltörns, mehrtägige Rad- und Kanutouren, Besuche anderer Bauernhöfe, Städtetouren, Spielfeste und Geschicklichkeitsturniere, Hofübernachtungen, Partys, Diskos und Begegnungen mit anderen Jugendgruppen in Deutschland und Europa.

 

Die Jugendlichen haben verschiedene Mitbestimmungsmöglichkeiten auf dem Kinder- und Jugendbauernhof. In regelmäßig stattfindenden Besprechungen des Jugendbereichs werden sie in die Wochenplanung für die Angebote und in Projektplanungen wie z. B. die Gestaltung ihres Jugendhauses einbezogen. Hier können sie eigene Ideen, Wünsche und Vorstellungen einbringen, ihnen wird Verantwortung übertragen und sie werden für Aussehen, Pflege und Erhaltung ihres eigenen Freizeitumfeldes in die Pflicht genommen.
Über die Betreuung in den pädagogischen Angeboten hinaus werden die Jugendlichen in ihrer persönlichen Entwicklung begleitet, individuell und in Gruppen unterstützt und gefördert. Ansatz, Methodik und Praxis der pädagogischen Arbeit einschließlich Elterngespräche ermöglichen ein hohes Maß an Beziehungsarbeit über Jahre hinweg. Die Zusammenarbeit mit anderen betreuenden Einrichtungen ergänzt diese notwendige und sinnvolle Betreuung der Jugendlichen.

 

Wie auf dem gesamten Gelände des Kinder- und Jugendbauernhof so gibt es auch im Jugendbereich bestimmte Regeln im Hinblick auf das soziale Miteinander und für das Verhalten des/der einzelnen.

 

Von den Jugendlichen wird erwartet, dass sie regelmäßig an den Treffen ihrer Angebotsgruppen und den zugehörigen Besprechungen teilnehmen.

 

In Bezug auf den Konsum von Zigaretten und Alkohol gelten folgende Regeln:

 

7.4. Jungenarbeit

 

Einmal in der Woche treffen sich Jungen in der Jungengruppe.
Jungenarbeit, das ist Begleitung der Jungen durch die Pubertät in ihrer Auseinandersetzung mit der geschlechtsspezifischen Identität, ist Freiraumgewährung und Grenzsetzung für die Konflikterfahrungen beim "Mann-Werden". Und ist Hilfestellung bei der Standortbestimmung der Jungen zwischen Vaterbild, Männeridolen und ihren individuellen Möglichkeiten, Grenzen und Fähigkeiten, zwischen Fiktion und Realität.

 

In der Gruppe lernen sich die Jungen kennen, untereinander und sich selbst. Ein Ziel ist ihren Focus auf ihre persönliche Entwicklung zu lenken und für sie erkennbar zu machen, welche Rolle dabei familiäre und soziale Rahmenbedingungen spielen. Weitere Einflüsse von außen, die das Persönlichkeitsbild prägen, werden deutlich - Freunde, Medien, Mode, etc..
Die Gruppe thematisiert den Umgang mit dem "Anderen Geschlecht", versucht herauszufinden was das "Andere" ist. Was ist Sexualität, Liebe, Gewalt und Zärtlichkeit, was sind überhaupt Gefühle - für mich und für die anderen?
Fragen, Wünsche, Träume zur persönlichen Zukunft auch im Hinblick auf Familie und Beruf finden hier im vertrauensvollen Gespräch oder in einer phantasievollen Kreativwerkstatt ihren Platz.
Daneben bleibt Zeit und Raum für gemeinsame Aktivitäten wie Spiele, Kochen, Musik und Ausflüge u. v. m..

 

7.5. Mädchenarbeit

 

Mädchen im Alter von 9 bis 12 Jahren kommen einmal wöchentlich nachmittags zum "Mädchen-Treff". Dafür steht ein Mädchenraum im Jugendhaus zur Verfügung, der gemeinsam von Mädchen und Betreuerinnen gestaltet und eingerichtet wurde.
Die Angebote für die Mädchen umfassen gemeinsame Unternehmungen, Spiele, Kochen, Basteln, Musik hören, Fahrten, jede Menge Spaß und Platz für die eigenen Ideen der Mädchen.
Ausdrucksformen körperlicher, geistiger und seelischer Entwicklung im Tanz, darstellendem Spiel und individuell unterschiedlichen Formen sind Ausgangspunkt zum vertraut werden mit sich selbst. Das Miteinander in einem geschützten Rahmen bildet eine gute Atmosphäre, um z.B. Entspannungstechniken auszuprobieren oder für Gespräche über Mädchenthemen.
Das gesamte Hofgelände, das nahe gelegene, reizvolle Umland (Domänental, Nord-Ostseekanal, Wildgehege etc.) und der Mädchenraum bieten vielfältige Möglichkeiten, um die genannten Aktivitäten zu realisieren.
Ausflüge und mehrtägige Fahrten ergänzen die Gruppenangebote auf dem Hof.

 

Die älteren Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren treffen sich ebenfalls einmal wöchentlich am Nachmittag zu gemeinsamen Aktivitäten im Mädchenraum und der Teeküche des Jugendhauses.
Die Mädchengruppe bietet Gelegenheit für Gespräche über Liebe, Freundschaft, Sexualität und Verhütung. Die Mädchen können sich austauschen über ihre Erfahrungen mit dem eigenen Körper und dessen Entwicklung. Sie setzen sich mit der eigenen geschlechtsspezifischen Rolle auseinander.
Weitere wichtige Themen in der Mädchengruppe sind Schule, Ausbildungs- und Berufswahl.
Schwierigkeiten, Ängste, Wunschphantasien und Möglichkeiten der Mädchen hierzu können in einer pädagogisch begleiteten "Mädchengruppe" freier, mutiger, kreativer und konkreter besprochen werden als in einem weniger geschützten Rahmen.
Die Mädchen erleben Bestätigung, Unterstützung und Anerkennung und werden in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt.
Besuche von Informations- und Beratungszentren zu den verschiedenen Themen und die gemeinsame Beschäftigung mit Informations- und Anschauungsmaterialien schlagen Brücken von der Theorie zur Praxis.
Neben der Behandlung solch wichtiger Inhalte kommen auch reine Freizeitangebote in der Mädchengruppe nicht zu kurz: Es werden Ausflüge zum Strand und in die Disco unternommen, es wird getanzt, gemeinsam gekocht und gegessen, gespielt und gelacht.
In Werkangeboten werden die handwerklichen Fähigkeiten der Mädchen mit verschiedenen Materialien und technischem Gerät gefördert.

 

Im Rahmen dieses Angebotes wird die Bildung einer festen Gruppe angestrebt. Gleichzeitig ist die Gruppe stets offen für neue Mädchen.

 

8. Zusätzliche Angebote

 

8.1. Sport

 

Die Sportangebote umfassen Reiten, Geländespiele, Fußball, Volleyball, Basketball und weitere Ballspiele, Tischtennis, Kickern, Benutzung der Spielgeräte (Kletterturm, Reck, Seilbahn, usw.), Tanzen, Schwimmen, Schlittschuhlaufen, Radfahren und Kanufahren.
Sportliche Spiele unterstützen die Entwicklung von Gemeinschaftsgefühl und Teamgeist bei den Kindern und Jugendlichen, sie erleben Fairness und den Umgang mit Erfolgen und Niederlagen. Motorik und Körperwahrnehmung der Kinder und Jugendlichen werden bei allen sportlichen Aktivitäten gefördert.
Ein besonderes Merkmal dieser Angebote ist, dass mit Ihnen Kinder und Jugendliche erreicht werden, die sich zumeist nicht einem Sportverein anschließen würden.

 

8.2. Freispiel

 

Im freien Spielen bestimmen die Kinder und Jugendlichen motiviert durch die eigene Intention das Thema und den Inhalt selbst. Sie wählen die Mitspieler, den Ort, die Mittel, die Art des Umgangs miteinander und gestalten selbständig den Verlauf und die Dauer der Spiele.
Hierfür stehen den Kindern und Jugendlichen der Abenteuerspielplatz, der Hüttenbaubereich, eine Sandkiste, Schaukeln, Reckstangen, ein Kletterseil, die Tenne des Kinderhauses, der Hofplatz, die Tierausläufe, der Bolzplatz, das Volleyballfeld und der Bereich rund um das Jugendhaus sowie Wege und Hofplätze offen und frei zur Verfügung.
Die Kinder und Jugendlichen können sich die zum Spielen benötigten Utensilien ausleihen, z.B. Diabolos, Stelzen, Sandspielzeug, BMX-Fahrräder, Bälle. Bei der Ausgabe werden Regeln erklärt, die die Sicherheit aller gewährleisten.
Die Betreuerinnen begleiten den Offenen Bereich in unterschiedlicher Art und Intensität, je nach Bedarf der dort stattfindenden Aktivitäten. Dies reicht vom Leisten kleiner gezielter Hilfestellungen bis hin zum Wahrnehmen und Aufgreifen spontaner Wünsche und Interessen der Kinder und Jugendlichen und Überleitung in eine begleitete Einzel- oder Gruppenaktivität.

 

8.3. Ferienangebote

 

Besonders während der Ferien ist das Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen nach attraktiver Freizeitgestaltung sehr groß. In diesen "Hoch-Zeiten" bietet der Kinder- und Jugendbauernhof zusätzliche Unternehmungen an. Dazu zählen z.B. Kinder-Übernachtungen auf dem Bauernhof (mit Spielaktionen, Nachtwanderungen etc.), Badeausflüge, Geländespiele, ein- und mehrtägige Kanutouren und Ausritte, Radtouren, Besuche anderer Jugendfarmen/-einrichtungen, Strandrallyes, Fußballturniere mit Besuchern anderer Einrichtungen, Reisen in Nachbarländer (DK), Teilnahme an internationalen Jugendaustauschprogrammen inklusive Auslandsreisen und Beherbergung von Kindern und Jugendlichen aus anderen Ländern auf dem Kinder- und Jugendbauernhof.

 

9. Angebote zur Lebenshilfe

 

9.1. Strukturierende Angebote

 

Handlungs- und Zeitstrukturen im Tages-, Wochen- und Jahresrhythmus sind durch die regelmäßigen Abläufe auf einem Bauernhof vorgegeben. Der Ablauf eines Tages wird durch die tägliche Versorgung der Tiere und Pflanzen, der Verlauf einer Wochen durch die regelmäßigen Angebote bestimmt. Der Jahreskreislauf und die damit verbundenen Feste geben das Tätigsein mit Tieren und Pflanzen auf natürliche Weise vor.
Dabei erleben die Kinder und Jugendlichen den Sinn und die Notwendigkeit von Zeit-, Orts- und Arbeitsstrukturen auf unmittelbare und für sie einsehbare Weise.

 

9.2. Angebote zur gesunden Ernährung

 

Die Kinder haben die Möglichkeit, auf dem Kinder- und Jugendbauernhof kostenlos eine warme Mahlzeit zu erhalten.
In gemütlichem Rahmen finden die Kinder hier Gelegenheit miteinander zu Gesprächen anregende Tischkultur zu pflegen.
Bei den pädagogischen Kochangeboten und besonders zur Erntezeit lernen die Kinder und Jugendlichen einfache, gesunde, preisgünstige und schmackhafte Gerichte herzustellen und dabei verschiedene Techniken der Nahrungsmittelzubereitung und Haltbarmachung kennen.
Das bietet Ihnen ein gesundheitsförderndes, alternatives Nahrungsangebot zu dem in unserer Gesellschaft wachsenden Konsum von Fastfood.
Bereits beim Lebensmitteleinkauf beteiligen sich die Kinder und Jugendlichen dabei, gesunde Nahrungsmittel auszuwählen und preisgünstig einzukaufen.

 

9.3. Angebote zur Schul-, Berufs- und Arbeitswelt

 

Diese Angebote verfolgen den Zweck, die Kinder und Jugendlichen in ihrer schulischen Entwicklung zu fördern und sie auf ihre Zukunft in der Berufs- und Arbeitswelt unterstützend vorzubereiten.
Diese Angebote richten sich auch und gerade an Kinder und Jugendliche, die aus Migrationsfamilien stammen.

 

9.3.1. Schulaufgabenhilfe

 

Die Kinder werden mit Hilfe spielerischer Lernformen zweimal wöchentlich in den verschiedenen Schulfächern individuell unterstützt. Dieses integrative Lernangebot richtet sich speziell an Kinder aus fremdsprachigen Herkunftsfamilien und deutsche Kinder, um ihre Fertigkeiten beim Lesen, Rechnen und Schreiben zu steigern und ihr Interesse dafür zu wecken .

 

9.3.2. Angebote zur Vorbereitung auf die Berufs- und Arbeitswelt

 

Praktischer Anknüpfungspunkt für berufsvorbereitende Kurse im Jugendbereich sind spezielle Angebote im Rahmen der Landwirtschaftsgruppe und solchen in den Bereichen Handwerk und Technik. In Angeboten en zur Holz- und Metallverarbeitung, Schweißen, Elektrotechnik und Motorenkunde bauen die Jugendlichen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse aus, erproben und vertiefen sie. Hier entstehen Vorstellungen zu handwerklichen Berufen und Wünsche nach einem Ausbildungsplatz in diesen Bereichen und werden beim Ausprobieren und im Gespräch mit anderen konkretisiert.

 

Im Rahmen weiterer Angebote besichtigen die Jugendlichen Betriebe und lernen verschiedene Berufszweige und Beratungsstellen kennen. Mit Betreuern und zuständigen Ansprechpartnern von außen führen die Jugendlichen Diskussionen zum Thema Ausbildungsplatz. Vorhandene Hemmschwellen werden abgebaut und erste Kontakte mit der Arbeitswelt geknüpft.
In weiteren Kursen üben die Jugendlichen mit ihren Betreuerinnen die Erstellung von Bewerbungsunterlagen und die Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch.
Viele von den Jugendlichen absolvierten Kursinhalte sind als Qualifizierung einzustufen.
Bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, den nötigen Kontaktaufnahmen etc. finden die Jugendlichen auf dem Kinder- und Jugendbauernhof konkrete Unterstützung.

 

9.3.3. PC- und Internet für Kinder und Jugendliche

 

Die PC- und Internetangebote sind ein wichtiger Schritt, Kindern und Jugendlichen in ihrer Freizeit ein Stück Technik- und Medienkompetenz zu vermitteln.

 

In einem eigens für diesen Zweck eingerichteten Raum haben sie unter Anleitung die Möglichkeit zum Surfen,  Versenden und Erhalten von eMail´s etc..
Wer sich mehr für die Belange des Hofes interessiert, beteiligt sich an der Erstellung einer Hofzeitung oder der Gestaltung einer hofeigenen Homepage.
Wer Probleme in der Schule hat, nutzt die PC-Gestützten Lernhilfen. Zukünftige Schulabgängerinnen informieren sich über Möglichkeiten zur Berufsausbildung und erstellen hier ihre Bewerbungsunterlagen.
In allen Angeboten wird in Kleingruppen gearbeitet.

 

10. Rahmenbedingungen

 

10.1. Personal

 

Auf dem Kinder- und Jugendbauernhof arbeiten sechs pädagogische Fachkräfte:

 

 

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