4. Zielgruppen, Klientel und Nutzungsformen
6. Methoden / Arbeitsprinzipien
12. Zielkontrolle und Qualitätssicherung
13. Vernetzung / Kooperationspartner
1. Kurzbeschreibung der Einrichtung
Im freiwillig gewählten Kontakt mit Tieren, Pflanzen, den natürlichen Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und miteinander entdecken Kinder und Jugendliche ihre Talente und erweitern ihre Erfahrungen. Einfache, einsehbare und gleichzeitig notwendige Tätigkeiten wie Versorgung der Tiere, Reparaturen oder Gartenpflege bilden den Ausgangspunkt aller Beschäftigungen. Die Übergänge zwischen Spielen und Lernen sind fließend: Ökologische Kenntnisse können aus der Beobachtung sowie handwerkliche Fertigkeiten durch das eigene Tun gewonnen werden.
Kinder und Jugendliche lernen im Umgang mit Tieren und Pflanzen Verantwortung zu tragen und die Bedeutung des eigenen Handelns für sich, für ihre Mitmenschen, andere Lebewesen und ihre Umwelt zu erkennen. Sie übernehmen freiwillig und ihren eigenen Fähigkeiten entsprechend kleine überschaubare Aufgaben. Bei deren Bewältigung erproben, vertiefen und erweitern sie das eigene Können und Wissen und erleben Erfolge.
Bei der Tierpflege, beim Anlegen eines Gartenbeetes, beim Basteln, Bauen und Spielen werden für die Kinder und Jugendlichen die eigenen Möglichkeiten und Grenzen erfahrbar. Sie lernen, sich mit etwas Selbstgeschaffenem oder in die eigene Obhut Genommenem zu identifizieren. Das gemeinsame Tätigsein im Garten, bei der Versorgung der Ponys, der Nutz- und Streicheltiere und im landwirtschaftlichen Bereich bildet eine gute Grundlage für positive Gruppenerlebnisse. In diesem Umfeld entfalten sich die Kinder und Jugendlichen frei und steigern ihr geistiges, körperliches und seelisches Wohlbefinden.
Die Entwicklung der Abenteuerspielplätze, Jugendfarmen und ähnlicher Einrichtungen geht auf den dänischen Landschaftsarchitekten C.T.SÆrensen zurück. Während des zweiten Weltkrieges entdeckte SÆrensen, dass Kinder weniger die teuren, von Erwachsenen errichteten Spielplätze bevorzugten, als sich vielmehr auf Schrottplätzen und anderen unwirtlichen Gegenden "ihre eigene Spiel- und Abenteuerwelt" schufen. Diese Beobachtungen veranlaßten SÆrensen, 1943 in Endrup bei Kopenhagen den ersten "skrammeleplads" für Kinder zu eröffnen.
Solche sich bald in ganz Dänemark
ausbreitenden Gerümpelspielplätze, auf denen die Kinder mit Abfallmaterialien
spielten, bastelten und bauten, entwickelten sich weiter zu den
Bauspielplätzen.
Auch die britischen "adventure playgrounds", "Robinson-Spielplätze" in der
Schweiz sowie die deutschen Bau- und Abenteuerspielplätze in Berlin,
Aktivspielplätze und Kinder- und Jugendfarmen gingen aus dem dänischen Vorbild
hervor.
Die Entstehung der ersten Jugendfarm (Elsental/Stuttgart) im Nachkriegsdeutschland ging auf das Engagement der Familie Thyra und Edgar Böhms zurück. Sie stellten ihr Gelände zunächst für Pferde und Ponies von Freunden zur Verfügung. Das stetige Anwachsen der Zahl von Kindern und Jugendlichen, die sich um die Tiere kümmerten, machte den Initiatoren deutlich, daß sie hiermit eine Einrichtung für Kinder geschaffen hatten, die ganz offensichtlich genau deren Interesse entsprach. Nach 10 Jahren ehrenamtlichen Engagements gelang es, 1972 für diese Arbeit öffentliche Unterstützung durch die Ämter zu erhalten.
Inspiriert durch die Mitarbeit auf der
Jugendfarm im Elsental gründete Marie-Luise von der Sode 1980 gemeinsam mit
Renate Kramer und einer kleinen Gruppe engagierter junger Menschen den Verein
"Kinder- und Jugendfarm Kiel und Umgebung e.V.".
Im Jahr zuvor hatte Steffen Etzel (damaliger Geschäftsführer des
Kreisverbandes Kiel der Arbeiterwohlfahrt) mit Kindern und Jugendlichen auf
einer Informationsreise und durch den Kontakt mit der dänischen
Wohnungsbaugesellschaft SBBU (Finanzier diverser sozialer Einrichtungen in
Dänemark) Jugendfarmen in Kopenhagen besucht. Anschließend setzte er sich
gemeinsam mit Silke Reyer (damalige 1. Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Kv
Kiel) dafür ein, in Kiel ähnliche Freizeiteinrichtungen zu schaffen. Geeignet
erschien der 1770 erbaute "Hof Eggers". Der erhaltenswerte Hof am Rande des
Neubaugebietes Kiel-Mettenhof stand seit zwei Monaten leer.
Beide Interessengruppen fanden zusammen und bald wurde die Idee, einen Kinder- und Jugendbauernhof im Raum Kiel einzurichten, in die Tat umgesetzt. Der Hof "Eggers" wurde mit Geldern und großer Unterstützung von Seiten der Arbeiterwohlfahrt und der Stadt Kiel sowie zahlreichen Spenden, großem Engagement der Mitarbeiterinnen und ehrenamtlichem Einsatz aller Beteiligten einschließlich Kinder und Jugendlicher zu dem in Schleswig-Holstein einzigartigen Kinder- und Jugendbauernhof umgebaut. Am 1. Mai 1981 öffnete der Kinder- und Jugendbauernhof der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Kiel e. V. seine Tore.
Der Stadtteil Mettenhof ist eine Hochhaussiedlung am Stadtrand mit all ihren extremen sozialen Problemen. Hier leben ca. 20 000 Menschen, davon 6000 unter 22 Jahre. Der Bauernhof liegt am Rande dieser Trabantenstadt.
4. Zielgruppen, Klientel und Nutzungsformen
Das Gelände ist für alle Kinder und Jugendlichen ab 6 Jahren ohne Begleitung durch Erwachsene während der Öffnungszeiten jederzeit zugänglich. Jugendliche über 18 Jahre können den Hof zweimal in der Woche besuchen.
Entsprechend dem sozialen Umfeld im Einzugsgebiet bilden Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien eine wichtige Zielgruppe. Die Familiensituation der Besucherklientel umfasst ein breites Spektrum von Einzelkindern bis zu sehr kinderreichen Familien. Es gibt Besucherkinder und -jugendliche, deren Eltern getrennt leben oder allein erziehend sind, arbeitslos sind, Sozialhilfe empfangen oder Suchtprobleme haben. Manche Familien leben in sehr beengten Wohnverhältnissen. Es besuchen regelmäßig Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, motorischen Störungen, Lern- und Sprachschwächen den Kinder- und Jugendbauernhof.
Die Besucherinnen sind von unterschiedlicher nationaler Herkunft. Das quantitative Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen ist ausgewogen. Die meisten Kinder und Jugendlichen besuchen Haupt- oder Sonder- oder Förderschulen, einige die Realschule oder das Gymnasium.
Neben Kindern und Jugendlichen nutzen
Mütter/Väter mit Kleinkindern, Familien, Großeltern die Freizeitmöglichkeiten
auf dem Kinder- und Jugendbauernhof.
Pädagogische Einrichtungen wie Schulklassen, Kindertagesstätten, Hort-,
Behindertengruppen, etc. machen regelmäßig von der Ausstattungs- und
Angebotsvielfalt des Hofes Gebrauch.
Manche Besuchergruppen nehmen eine Hofführung in Anspruch.
Von außen kommende Gruppen können nach Absprache die Infrastruktur des Hofes für ihre Zwecke nutzen. Familien nutzen die Räume und das Hofgelände gerne zum Feiern von Kindergeburtstagen.
Insgesamt besuchen pro Tag durchschnittlich 60-120 Kinder bzw. Jugendliche den Bauernhof. Im Sommer, bei trockenem Wetter, in den Ferien und bei besonderen Festen können es wesentlich mehr sein.
Das Miteinander auf dem Kinder- und Jugendbauernhof fördert die geistige, körperliche und seelische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.
Die pädagogische Arbeit unterstützt die
Kinder und Jugendlichen in:
Sie fördert bei den Kindern und Jugendlichen, regt an und ermöglicht ihnen:
6. Methoden / Arbeitsprinzipien
Der Kinder- und Jugendbauernhof ist offen für alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von ihren sozialen, wirtschaftlichen, körperlichen und geistigen oder ihre nationale Herkunft betreffenden Voraussetzungen.
Alle Angebote, die auf dem Kinder- und
Jugendbauernhof stattfinden, sind offen für alle Besucher und i. d. R.
kostenlos. Teilnehmeroffenheit, Kostenfreiheit und die Kontinuität einer
ganzjährigen täglichen Öffnungszeit ab 10°° Uhr an sechs Tagen in der Woche
auch an Feiertagen und in den Ferien sind wesentliche Rahmenbedingungen der
pädagogischen Arbeit auf dem Hof.
Neben speziellen pädagogischen Angeboten der jeweiligen Bereiche finden
bereichs- und altersübergreifende Aktivitäten statt, z. B Sport, Spiel,
Weidepflege, Feste etc..
Die Kinder und Jugendlichen werden soweit
wie möglich in das Hofgeschehen miteinbezogen. In regelmäßigen Besprechungen
der verschiedenen Angebote haben die Kinder und Jugendlichen Möglichkeiten,
ihre Wünsche in Programminhalte und Planungen einzubringen und demokratische
Spielregeln zu erleben. Diese Form der Partizipation trägt auch zur
Veränderung und Weiterentwicklung der Einrichtung bei. Der lebendige Wandel
ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Kinder- und Jugendbauernhofes.
Der Kinder- und Jugendbauernhof bietet den Kindern und Jugendlichen Raum ihre
Wünsche nach individueller Freizeitgestaltung und zum Selbst-Aktiv-Werden
innerhalb eines `geschützten Raumes´ umzusetzen. Über das Selbst-Tätig-Werden
bringen sie ihre Kenntnisse, Fähigkeiten, Erfahrungen und Bedürfnisse ein und
setzen diese um. Dabei machen sie laufend neue praktische Alltagserfahrungen,
die ihre spätere Berufsfindung erleichtern können.
Die Zuverlässigkeit des pädagogischen
Personals ist grundlegendes Qualitätsmerkmal der pädagogischen Arbeit auf dem
Kinder- und Jugendbauernhof. Sie zeigt sich den Kindern und Jugendlichen in
regelmäßiger Präsenz und Ansprechbarkeit sowie in verbindlichen Absprachen.
Dies vermittelt den jungen Menschen das Gefühl ernst genommen zu werden.
Im Rahmen dieser Beziehungsarbeit erleben die Kinder und Jugendlichen auch von
Mitarbeiterinnen klar gesetzte Grenzen. Sie haben die Chance sich bewusst damit
auseinanderzusetzen.
Bei Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen den Besuchern ist das Schlichtungsgespräch eine bewährte Form, mit den Beteiligten die Situation zu reflektieren und eine gemeinsame Lösung zu suchen. Mittlerweile wird diese Form der Friedensstiftung von vielen Kindern und Jugendlichen selbst eingefordert.
Die Kinder und Jugendlichen werden kontinuierlich in den verschiedenen Betätigungsfeldern auf dem Hof vom pädagogischen Personal betreut. Sie können so in ihrer Persönlichkeitsentwicklung über einen längeren Zeitraum positiv gefördert werden.
Treten bei einzelnen Kindern oder Jugendlichen Verhaltensauffälligkeiten auf werden diese bereits im Entstehen aufgegriffen. Ggf. wird in Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern und anderen Betreuungspersonen auf eine Verhaltensänderung hingewirkt.
Alle Aktivitäten auf dem Kinder- und Jugendbauernhof gehen aus von den drei großen Erlebnisbereichen, dem Reit-, Kinder- und dem Jugendbereich.
7.1. Reitbereich
Ein großer Anziehungspunkt auf dem Kinder- und Jugendbauernhof ist der Reitbereich. Neben den Ponys und Pferden lockt ein abwechslungsreiches und attraktives Programm an fünf Tagen in der Woche.
Der Umgang mit dem Medium Pferd bietet den
Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten für die individuelle und
soziale Entwicklung. Sie erlernen wertvolle Eigenschaften wie
Einfühlungsvermögen, Disziplin und Fairneß.
Zu den weiteren Zielen im Reitbereich gehören die Förderung sport- u.
gesundheitsbezogener Aspekte. Kinder und Jugendliche auch aus sozial
benachteiligten Familien erlernen freiwillig und spielerisch das Reiten.
Gemeinsam in Kleingruppen überneh-men sie Verantwortung für ein Pflegepferd.
Das erfordert ein hohes Maß an persönli-chem Einsatz und schult die soziale
Kontaktfähigkeit.
Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen werden in den täglichen und
wöchentlichen Besprechungen alle Tätigkeiten rund ums Reiten und die Ponys
geklärt, Programmplanungen besprochen, Ideen, Vorschläge und Wünsche der
Kinder und Jugendlichen diskutiert und verwirklicht.
In alle zu verrichtenden Tätigkeiten wie die Pflege und Fütterung der Ponys,
die tägliche Säuberung von Boxen, Reitplatz, Weiden, Paddock, die Pflege des
Sattel-zeugs sowie kleinere Instandhaltungsarbeiten werden die Kinder und
Jugendlichen einbezogen. Bei anstehender Behandlung durch Tierarzt oder
Schmied stehen die jeweiligen Pflegerinnen nach Möglichkeit ihrem Pflegetier
zur Seite.
Mit der freiwilligen Übernahme überschaubarer Tätigkeiten zeigen die Kinder und Jugendlichen ihre Bereitschaft und Fähigkeit, sich an der Durchführung notwendiger Gemeinschaftsarbeiten zu beteiligen und Verantwortung zu übernehmen.
Die Pflege für ein Pony teilen sich in der
Regel drei bis vier Kinder bzw. Jugendliche. Nach Absprache untereinander
wechseln sich die Pfleger mit dem Reiten und der Erfüllung der Aufgaben ab.
Die Anfängerinnen erhalten regelmäßig Reitunterricht an der Longe und im
freien Reiten.
Für die Fortgeschrittenen beinhaltet der Unterricht je nach Ausbildungsstand
Sitzschulung, Abteilungsreiten, Ausritte, Quadrille und Springstunden.
Erlernte Fähigkei-ten werden von den Erfahreneren an die Einsteigerinnen
weitergegeben.
Nach dem Reitunterricht haben die Kinder und Jugendlichen, die sich nicht
regelmäßig im Reitbereich aufhalten, die Möglichkeit, die Ponys/Pferde trocken
zu reiten. Letzteres ist für viele Kinder der Einstieg, regelmäßig an den
Angeboten im Reitbe-reich teilzunehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt der pädagogischen
Arbeit im Reitbereich ist die Vermittlung eines achtsamen Umgangs mit den
Tieren. Beim täglichen Putzen wird die Basis für ein gutes
Vertrauensverhältnis zwischen den Tieren und den Pflegern gelegt. Schon
hierbei erleben die Kinder und Jugendlichen die Ponys als individuelle Wesen
mit unterschiedlich ausgeprägten Charaktereigenschaften. Allmählich lernen die
Kinder, die jeweilige Tagesform der Tiere einzuschätzen und selbständig beim
Putzen den Gesundheitszustand der Tiere zu kontrollieren. Umgekehrt reagieren
die Tiere sehr sensibel auf die aktuelle Gemütsverfassung ihrer Pflegerinnen
und machen sie auf `Pferde´art darauf aufmerksam.
Vertiefte Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten im Umgang mit den Ponys bietet die
so genannte Bodenarbeit. Dazu gehören Wahrnehmungsübungen für Pferd und Reiter,
Verladetraining, Pferdemassage u.ä..
In begrenztem Rahmen findet therapeutisches
Reiten für behinderte Kinder und Jugendliche statt.
Für reitinteressierte Besucherinnen wird regelmäßig Reiten an der Longe bzw.
Ponyführen angeboten. Dieses Angebot wird häufig von kleinen Kindern
wahrgenommen, die in Begleitung ihrer Eltern den Hof besuchen. Dies ist für
viele Kinder der Einstieg zur selbständigen Beteiligung an den vielfältigen
Aktivitäten auf dem Kinder- und Jugendbauernhof.
Die pädagogische Arbeit im Kinderbereich umfasst in erster Linie die bauernhofspezifischen Angebote im Außengelände mit den Tieren und im Garten. Außerdem können draußen ein Hüttenbauplatz, Klettertürme, Kinderspielgeräte, eine Sandkiste, Sportplätze und der zentrale Hofplatz für pädagogische Angebote oder für die durch Aufsicht betreute Freizeitgestaltung der Kinder genutzt werden. Bei schlechtem Wetter und in der kalten Jahreszeit stehen für Innenangebote des Kinderbereiches zwei kleine beheizbare Räume zur Verfügung. Hier wird gekocht, gespielt, gelesen, getobt, gefeiert, gebastelt oder ähnliche Aktionen für interessierte Kinder angeboten. Der Turnraum wird zusätzlich für Bewegungsspiele, Entspannungsübungen oder zum ausgiebigen Toben genutzt. Darüber hinaus werden auch Angebote außerhalb des Hofes durchgeführt, wie z.B. Theaterbesuche, Schwimmen, Geländespiele, Besuche von anderen Bauernhöfen und Festen im Raum Kiel und Umgebung sowie Ausflüge in´s Umland.
7.2.1. Bereich der Nutz- und Streicheltiere
An den Ereignissen im Tierbereich nehmen alle Kinder und Jugendlichen großen Anteil: Sie helfen bei der täglichen Fütterung und Pflege, beteiligen sich an der Futtermittelbeschaffung wie z.B. Heuernte, schließen sich Spaziergängen mit Tieren an, zeigen Interesse oder gehen den Erwachsenen zur Hand bei Aktionen wie Klauenpflege, Wurmkuren und Schafschur oder Reparaturarbeiten.
Gerade für die Jüngeren bietet sich über
das Zuschauen beim Füttern und Streicheln der Tiere bis hin zum Mitmachen in
der Kaninchengruppe ein idealer Einstieg in das Bauernhofgeschehen. Für
Kinder, die aus einem städtischen Ballungsgebiet kommen, ist es oft der erste
Kontakt zu Tieren. Über das Anfassen der Tiere erleben die Kinder Wärme, Nähe
und Geborgenheit.
Ganz nebenbei entsteht so in den Kindern Interesse für biologische und
natürliche Zusammenhänge, das weiter gefördert werden kann. Natürliche
Lebensrhythmen und -kreisläufe werden für die Kinder praktisch
nachvollziehbar; so in der täglichen Tierversorgung, bei Geburt, Krankheit,
Altern und Tod von Tieren und bei der Aufzucht von Jungtieren. Das Melken der
Ziegen, das Verarbeiten von Ziegenmilch und frisch gelegter Hühnereier machen
für die Kinder Wert und Nutzen der Tiere für den Menschen erfahrbar.
Ein regelmäßiges Gruppenangebot ist die
Kaninchengruppe. Zwei bis drei Kinder beschäftigen sich gemeinsam mit einem
Pflegetier. Die Kaninchenpflegerinnen lernen im praktischen Umgang mit den
Tieren aus eigenem Erleben das Verhalten, die natürlichen Bedürfnisse und
Ausdrucksformen ihres Pflegetieres kennen und üben sich aus eigenem Antrieb im
achtsamen Umgang mit den Tieren.
Das Gruppentreffen bietet den Pflegern Gelegenheit zum Informationsaustausch
und zum gemeinsamen Durchführen anstehender Arbeiten wie Ställe misten u.ä..
Bienenvölker ergänzen das Tier(er)leben auf dem Kinder- und Jugendbauernhof.
Interessierte Kinder schließen sich der `Bienengruppe´ an und beobachten dort
unter fachkundiger Anleitung die Bienen beim Pollensammeln, lernen die
Tätigkeit eines Imkers kennen und helfen ihm bei Arbeiten wie Wabenentnahme,
Honigschleudern etc..
Lebensweise, Entwicklung und Verhalten von Bauernhoftieren werden zusätzlich
in Form von Spielen, Geschichten und Werkstätten aufgegriffen. Hier vertiefen
die Kinder ihre Erfahrungen und erwerben zusätzliche Kenntnisse.
Besuche beim Tierarzt und die Teilnahme mit Streicheltieren an Stadtteilfesten
werden von den Kindern stets interessiert begleitet.
7.2.2. Garten
Der 500 qm große Bauerngarten ist während
der Gartensaison von Februar bis November an mehreren Tagen pro Woche betreut
geöffnet. Das ermöglicht den Kindern allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen
aktiv zu werden. Sie können Gartengeräte ausleihen und mit anderen ins
Gespräch kommen oder einfach den Garten genießen.
Motiviert durch ihr eigenes Interesse an Pflanzen, Bodentieren, Vögeln oder
den Menschen, die im Garten tätig sind, gestalten die Kinder freiwillig
entsprechend ihren Interessen und Talenten ihr Gartenvorhaben. Oder sie
beteiligen sich an gemeinsamen Garten-Aktivitäten im Jahreslauf und den damit
verbundenen pädagogischen Angeboten.
Kinder, die den Wunsch haben, längerfristig
ein eigenes Beet zu pflegen, gestalten und bearbeiten in einer Kleingruppe von
zwei bis vier Kindern unter Anleitung ein eigenes kleines Stück Garten mit
Pflanz- und Saatgut.
Einmal wöchentlich trifft sich die Gartengruppe. Hier wird über die gerade
anstehende Garten-Aktion, deren Einbettung in den natürlichen Jahreslauf und
die Zusammenarbeit im Garten miteinander gesprochen. Für die Gartengestaltung
werden Ideen und Vorhaben entwickelt, und Möglichkeiten, sie in die Tat
umzusetzen, werden organisiert und ausprobiert. Die verschiedenen Gartenthemen
werden Spielaktionen und Geschichten erlebt.
Gemeinschaftsbeete bieten Kindern, die nicht längerfristig ein eigenes Beet
pflegen, die Möglichkeit in einer größeren Gruppe gemeinsam die Erde und
Pflanzen zu pflegen, zu gestalten und zu ernten.
Mit dem frisch geernteten Obst und Gemüse kochen die Kinder einfache Gerichte und lernen verschiedene Techniken der Haltbarmachung von Lebensmitteln (Marmelade, eingewecktes Obst, Fruchtsäfte etc.) anzuwenden. Hierdurch werden den Kindern Ernährungszusammenhänge deutlich. Einen Teil der Ernte ihres Beetes nehmen die Kinder mit nach Hause. Die Grünabfälle werden über die Kompostierung wieder dem Garten zugeführt.
Bei der Betätigung im Garten, der Kompostierung und dem direkten Umgang mit dem Element "Erde" wird das Interesse der Kinder an allem Lebendigen (Würmer, Eier, Larven, Samen, Setzlinge, etc.) im Boden geweckt. Dies bietet einen guten Ausgangspunkt durch aktives Handeln, Einblicke in ökologische Zusammenhänge zu ermöglichen, die Folgen des Handelns sichtbar zu machen und verantwortungsbewußt eigene Ideen zu verwirklichen.
7.2.3. Hüttenbaubereich und Lagerfeuer
Die Kinder können Werkzeug und Material zum Bauen ausleihen und haben die Möglichkeit sich allein oder in kleinen Gruppen zu entfalten. Das pädagogische Personal sorgt für die Wahrung der Aufsichtspflicht und kontrolliert regelmäßig die Statik der durch Kinderhand entstandenen Bauten.
Hier ist für die Kinder Raum und
Gelegenheit kreative Ideen, räumliches Vorstellungsvermögen und
manuell-handwerkliches Geschick zusammenzubringen und gemeinsam
auszuprobieren.
Meist sind vier bis sechs Kinder und Jugendliche gemeinsam mit dem Bau einer
Hütte beschäftigt. Einmal wöchentlich werden in der "Hüttenbaubesprechung"
Veränderungswünsche in Bezug auf die Konstellation der Hüttenbaugruppen
diskutiert. Hier können sie ihre Anliegen und Wünsche besprechen.
Die neben den Hütten gelegene Feuerstelle
wird von allen Altersgruppen gerne genutzt. Regelmäßig werden hier Stockbrot
und Bratäpfel gebacken und es wird gegrillt. Kinder und Jugendliche erleben
unter der Aufsicht von Betreuern das Naturelement "Feuer", erfahren seinen
Nutzen und erlernen mit den vom Feuer ausgehenden Gefahren umzugehen. Als
"offizielle Zündelstelle" kanalisiert dieser Platz ein elementares Bedürfnis
der Kinder und Jugendlichen.
Im nebenan gelegenen Räucherofen werden gemeinsam mit den Kindern und
Jugendlichen von Zeit zu Zeit Fische geräuchert.
7.2.4. Ökologische Angebote
Die Grundlage für die ökologische Arbeit
auf dem Kinder- und Jugendbauernhof bildet das alltägliche Bauernhofgeschehen.
In der täglichen Versorgung der Tiere und Pflanzen und deren Variation im
Jahreslauf erleben die Kinder und Jugendlichen natürliche Kreisläufe,
ökologische Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen Lebewesen und
Umweltgegebenheiten im Großen und Kleinen.
Die Vielfalt der Klein- und Großtiere sowie der natürlich gewachsenen und
kultivier-ten Biotope bieten immer wieder neue, reizvolle Anregungen mit allen
Sinnen zu lernen und sich an der Natur zu erfreuen.
In den Tier- und Gartengruppen, speziellen Angeboten wie der Umweltgruppe und umweltbezogenen Themenprojekten erweitern die Kinder und Jugendlichen ihre Kenntnisse und ihr Erlebnisspektrum, die Beobachtungsgabe wird geschult. Sie lernen Pflanzen und Tiere in ihren Lebensräumen kennen und den Einfluß von Umweltparametern wie Nahrungsangebot, Temperatur, Licht, Feuchtigkeit etc. auf alles Lebendige innerhalb ihres Erfahrungshorizontes einzuschätzen.
So werden Wert von Tieren und Pflanzen im
ökologischen Kreislauf erfahrbar. Die Kinder lernen, die Natur in all ihren
Erscheinungsformen zu achten und erfahren Möglichkeiten die Umwelt zu
schützen.
Im Feiern von Jahreskreisfesten, bei gemeinsamen Ernteaktionen und Mahlzeiten
erleben und erlernen die Kinder und Jugendlichen Wertschätzung der natürlichen
Grundlagen des menschlichen Lebens.
Für Kindergärten, Schulklassen und andere sozialpädagogische Gruppen besteht die Möglichkeit einer Führung auf dem Bauernhof zum Kennenlernen von Haus- und Nutztieren und der Pflanzenwelt. Projektarbeiten von Schulklassen auf dem Hofgelände werden angeregt, Unterstützung bei deren Planung und Durchführung angeboten.
7.3. Jugendbereich
Der Jugendbereich bietet Mädchen und Jungen
ab 12 Jahre Angebote zu Sport, Spiel, Technik, Landwirtschaft, Medien, Politik
und Berufsvorbereitung.
Neben dem Anliegen, die Jugendlichen von der Straße zu holen, ist wesentliches
Ziel der pädagogischen Arbeit, die Jugendlichen in ihrer individuellen
Entwicklung und bei der Ausbildung ihrer gesellschaftlichen Kompetenzen
unterstützend zu fördern.
Die Vielfalt der Erlebnisse in den
verschiedenen Gruppen vermittelt den Jugendli-chen ein differenziertes Bild
vom sozialen Miteinander. Sie erfahren unterschiedliche Formen der
persönlichen Begegnung, der gegenseitigen Unterstützung und Bereicherung, den
Wert individueller und gemeinschaftlicher Fähigkeiten und erleben Situationen
der persönlichen Stärkung durch eine Gruppe.
Jugendliche ab 18 Jahren können den Kinder- und Jugendbauernhof noch zweimal
wöchentlich besuchen. Diese Einschränkung fördert einen sinnvollen
Ablösungsprozess.
Naturgemäß ist auf dem `Bauernhof´ die
Landwirtschaftsgruppe (LWG) ein Angebotsschwerpunkt im Jugendbereich und
Ausgang vieler Aktivitäten.
Die Jugendlichen dieser Gruppe helfen mit bei landwirtschaftlichen
Tätigkeiten, die jahreszeitlich gebunden sind, wie Ernte, Wiesen-, Knick- und
Weidepflege. Durch diesen Kontakt mit den Naturelementen erfahren sie
ökologische Zusammenhänge. Unter Anleitung reparieren die Jugendlichen
Fahrzeuge und Geräte. Wer will, kann ab 12 Jahre einen hofintern gültigen
Treckerführerschein erwerben. Die Jugendlichen lernen den verantwortlichen
Umgang mit Geräten und Maschinen. Sie erwerben Kenntnisse in den Bereichen
Maschinentechnik, Geräte- und Motorenkunde, Elektronik.
Die Mädchen und Jungen der LWG besuchen
gemeinsam mit den BetreuerInnen Messen und Ausstellungen zum Thema,
informieren sich bei landwirtschaftlichen Genossenschaften und kaufen Material
im Landhandel ein.
Bei vielen Tätigkeiten wie Misten, Heuernte und Weidepflege unterstützen sich
Kinder und Jugendliche aus der LWG und dem Reitbereich gegenseitig.
In der Holz- und der Metallwerkstatt
probieren die Jugendlichen ihre handwerklichen Fähigkeiten und entwickeln sie
weiter. Hier begegnen sich handwerklich-technisches Geschick, Kreativität,
abstraktes Vorstellungsvermögen und Lust am Arbeiten. Nebenbei werden die
Jugendlichen angeregt, sich mit Themen wie Ausbildungsplatz, Berufs- und
Arbeitsleben auseinanderzusetzen.
Spezielle berufsvorbereitende Kurse greifen die Themen Ausbildungsplatz,
Berufswahl, Bewerbung etc. aus verschiedenen Perspektiven auf und vertiefen
sie. (s. Kap. 9.3.2. u. 9.3.3.)
In allen Angeboten, die den Erwerb bestimmter Fähigkeiten beinhalten, gibt es häufig Situationen, in denen die älteren Jugendlichen den jüngeren überlegen sind. Hier lernen beide Seiten einander zu tolerieren und sich gegenseitig zu akzeptieren. Nach Klärung der individuellen Grenzen entdeckt die Gruppe meist schnell die Chancen der Situation und nutzt sie. Die Älteren geben ihr Wissen an die Jüngeren weiter, leiten sie an, geben Hilfestellungen und erleben durch die Anerkennung der Jüngeren eine persönliche Aufwertung, eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls.
Manche der älteren und erfahrenären Jugendlichen werden durch die Betreuer aufgefordert, den Jugendgruppenleiterschein zu erwerben und unterstützen ehrenamtlich das pädagogische Personal anderer Bereiche.
Das Jugendhaus bietet den Jugendlichen Raum und Gelegenheit zum Kickern, Kochen, Klönen, Basteln, Musikhören und Spielen. Gespräche untereinander und mit Betreuerinnen in diesem vertrauten und geschützten Rahmen bieten Möglichkeiten zur Diskussion über alle Themen, die Jugendliche interessieren von Schule über Liebe, Freundschaft bis zur Politik. Hier können sie Probleme ansprechen, Lösungswege entwickeln, Rat bei den Betreuern finden; Hier finden dynamische Gruppenprozesse und soziale Auseinandersetzungen statt; Hier üben sich die Jugendlichen in Strategien zur Konfliktbewältigung in verschiedenen sozialen Zusammenhängen. Von Betreuerseite erfahren die Jugendlichen dem Anlass entsprechend Bestätigung oder Kritik, erleben Verhaltens-, Handlungs- und Entscheidungsfreiräume und klare Grenzsetzungen.
Regelmäßig kochen und essen die
Jugendlichen gemeinsam im Jugendhaus. Zuvor wird gemeinsam eingekauft. Neben
der sozialen Komponente ist die gesundheitspädagogische Funktion dieses
Angebotes hervorzuheben. (s. auch Kap. 9.2.)
Auf den verschiedenen Freispielflächen um das Jugendhaus treiben die
Jugendlichen unter Anleitung oder selbst initiiert Sport. Sie spielen
Fußball, Volleyball, Basketball und Bowle. Im Winterhalbjahr treffen sich die
Jugendlichen mit Betreuerinnen in einer nahe gelegenen Schulsporthalle zu Sport
und Spiel.
Ergänzend zu den Aktivitäten auf dem Bauernhof unternimmt der Jugendbereich
Ausflüge ins Schwimmbad, an Seen und zum Strand, in Naturparks, Freizeitcenter
etc.. Ein Ziel dabei ist, den Jugendlichen Erfahrungsmöglichkeiten zu eröffnen
und sie anzuregen, auch alleine solche und ähnliche Aktivitäten zu
unternehmen.
Zusätzlich gibt es v. a. in den Ferien spezielle "Highlights". Dazu gehören Segeltörns, mehrtägige Rad- und Kanutouren, Besuche anderer Bauernhöfe, Städtetouren, Spielfeste und Geschicklichkeitsturniere, Hofübernachtungen, Partys, Diskos und Begegnungen mit anderen Jugendgruppen in Deutschland und Europa.
Die Jugendlichen haben verschiedene
Mitbestimmungsmöglichkeiten auf dem Kinder- und Jugendbauernhof. In regelmäßig
stattfindenden Besprechungen des Jugendbereichs werden sie in die
Wochenplanung für die Angebote und in Projektplanungen wie z. B. die
Gestaltung ihres Jugendhauses einbezogen. Hier können sie eigene Ideen,
Wünsche und Vorstellungen einbringen, ihnen wird Verantwortung übertragen und
sie werden für Aussehen, Pflege und Erhaltung ihres eigenen Freizeitumfeldes
in die Pflicht genommen.
Über die Betreuung in den pädagogischen Angeboten hinaus werden die
Jugendlichen in ihrer persönlichen Entwicklung begleitet, individuell und in
Gruppen unterstützt und gefördert. Ansatz, Methodik und Praxis der
pädagogischen Arbeit einschließlich Elterngespräche ermöglichen ein hohes Maß
an Beziehungsarbeit über Jahre hinweg. Die Zusammenarbeit mit anderen
betreuenden Einrichtungen ergänzt diese notwendige und sinnvolle Betreuung der
Jugendlichen.
Wie auf dem gesamten Gelände des Kinder- und Jugendbauernhof so gibt es auch im Jugendbereich bestimmte Regeln im Hinblick auf das soziale Miteinander und für das Verhalten des/der einzelnen.
Von den Jugendlichen wird erwartet, dass sie regelmäßig an den Treffen ihrer Angebotsgruppen und den zugehörigen Besprechungen teilnehmen.
In Bezug auf den Konsum von Zigaretten und Alkohol gelten folgende Regeln:
7.4. Jungenarbeit
Einmal in der Woche treffen sich Jungen in
der Jungengruppe.
Jungenarbeit, das ist Begleitung der Jungen durch die Pubertät in ihrer
Auseinandersetzung mit der geschlechtsspezifischen Identität, ist
Freiraumgewährung und Grenzsetzung für die Konflikterfahrungen beim
"Mann-Werden". Und ist Hilfestellung bei der Standortbestimmung der Jungen
zwischen Vaterbild, Männeridolen und ihren individuellen Möglichkeiten,
Grenzen und Fähigkeiten, zwischen Fiktion und Realität.
In der Gruppe lernen sich die Jungen
kennen, untereinander und sich selbst. Ein Ziel ist ihren Focus auf ihre
persönliche Entwicklung zu lenken und für sie erkennbar zu machen, welche
Rolle dabei familiäre und soziale Rahmenbedingungen spielen. Weitere Einflüsse
von außen, die das Persönlichkeitsbild prägen, werden deutlich - Freunde,
Medien, Mode, etc..
Die Gruppe thematisiert den Umgang mit dem "Anderen Geschlecht", versucht
herauszufinden was das "Andere" ist. Was ist Sexualität, Liebe, Gewalt und
Zärtlichkeit, was sind überhaupt Gefühle - für mich und für die anderen?
Fragen, Wünsche, Träume zur persönlichen Zukunft auch im Hinblick auf Familie
und Beruf finden hier im vertrauensvollen Gespräch oder in einer
phantasievollen Kreativwerkstatt ihren Platz.
Daneben bleibt Zeit und Raum für gemeinsame Aktivitäten wie Spiele, Kochen,
Musik und Ausflüge u. v. m..
7.5. Mädchenarbeit
Mädchen im Alter von 9 bis 12 Jahren kommen
einmal wöchentlich nachmittags zum "Mädchen-Treff". Dafür steht ein
Mädchenraum im Jugendhaus zur Verfügung, der gemeinsam von Mädchen und
Betreuerinnen gestaltet und eingerichtet wurde.
Die Angebote für die Mädchen umfassen gemeinsame Unternehmungen, Spiele,
Kochen, Basteln, Musik hören, Fahrten, jede Menge Spaß und Platz für die
eigenen Ideen der Mädchen.
Ausdrucksformen körperlicher, geistiger und seelischer Entwicklung im Tanz,
darstellendem Spiel und individuell unterschiedlichen Formen sind
Ausgangspunkt zum vertraut werden mit sich selbst. Das Miteinander in einem
geschützten Rahmen bildet eine gute Atmosphäre, um z.B. Entspannungstechniken
auszuprobieren oder für Gespräche über Mädchenthemen.
Das gesamte Hofgelände, das
nahe gelegene, reizvolle Umland (Domänental,
Nord-Ostseekanal, Wildgehege etc.) und der Mädchenraum bieten vielfältige
Möglichkeiten, um die genannten Aktivitäten zu realisieren.
Ausflüge und mehrtägige Fahrten ergänzen die Gruppenangebote auf dem Hof.
Die älteren Mädchen zwischen 12 und 17
Jahren treffen sich ebenfalls einmal wöchentlich am Nachmittag zu gemeinsamen
Aktivitäten im Mädchenraum und der Teeküche des Jugendhauses.
Die Mädchengruppe bietet Gelegenheit für Gespräche über Liebe, Freundschaft,
Sexualität und Verhütung. Die Mädchen können sich austauschen über ihre
Erfahrungen mit dem eigenen Körper und dessen Entwicklung. Sie setzen sich
mit der eigenen geschlechtsspezifischen Rolle auseinander.
Weitere wichtige Themen in der Mädchengruppe sind Schule, Ausbildungs- und
Berufswahl.
Schwierigkeiten, Ängste, Wunschphantasien und Möglichkeiten der Mädchen hierzu
können in einer pädagogisch begleiteten "Mädchengruppe" freier, mutiger,
kreativer und konkreter besprochen werden als in einem weniger geschützten
Rahmen.
Die Mädchen erleben Bestätigung, Unterstützung und Anerkennung und werden in
ihrem Selbstwertgefühl gestärkt.
Besuche von Informations- und Beratungszentren zu den verschiedenen Themen und
die gemeinsame Beschäftigung mit Informations- und Anschauungsmaterialien
schlagen Brücken von der Theorie zur Praxis.
Neben der Behandlung solch wichtiger Inhalte kommen auch reine
Freizeitangebote in der Mädchengruppe nicht zu kurz: Es werden Ausflüge zum
Strand und in die Disco unternommen, es wird getanzt, gemeinsam gekocht und
gegessen, gespielt und gelacht.
In Werkangeboten werden die handwerklichen Fähigkeiten der Mädchen mit
verschiedenen Materialien und technischem Gerät gefördert.
Im Rahmen dieses Angebotes wird die Bildung einer festen Gruppe angestrebt. Gleichzeitig ist die Gruppe stets offen für neue Mädchen.
8.1. Sport
Die Sportangebote umfassen Reiten,
Geländespiele, Fußball, Volleyball, Basketball und weitere Ballspiele,
Tischtennis, Kickern, Benutzung der Spielgeräte (Kletterturm, Reck, Seilbahn,
usw.), Tanzen, Schwimmen, Schlittschuhlaufen, Radfahren und Kanufahren.
Sportliche Spiele unterstützen die Entwicklung von Gemeinschaftsgefühl und
Teamgeist bei den Kindern und Jugendlichen, sie erleben Fairness und den Umgang
mit Erfolgen und Niederlagen. Motorik und Körperwahrnehmung der Kinder und
Jugendlichen werden bei allen sportlichen Aktivitäten gefördert.
Ein besonderes Merkmal dieser Angebote ist,
dass mit Ihnen Kinder und
Jugendliche erreicht werden, die sich zumeist nicht einem Sportverein
anschließen würden.
8.2. Freispiel
Im freien Spielen bestimmen die Kinder und
Jugendlichen motiviert durch die eigene Intention das Thema und den Inhalt
selbst. Sie wählen die Mitspieler, den Ort, die Mittel, die Art des Umgangs
miteinander und gestalten selbständig den Verlauf und die Dauer der Spiele.
Hierfür stehen den Kindern und Jugendlichen der Abenteuerspielplatz, der
Hüttenbaubereich, eine Sandkiste, Schaukeln, Reckstangen, ein Kletterseil,
die Tenne des Kinderhauses, der Hofplatz, die Tierausläufe, der Bolzplatz, das
Volleyballfeld und der Bereich rund um das Jugendhaus sowie Wege und Hofplätze
offen und frei zur Verfügung.
Die Kinder und Jugendlichen können sich die zum Spielen benötigten Utensilien
ausleihen, z.B. Diabolos, Stelzen, Sandspielzeug, BMX-Fahrräder, Bälle. Bei
der Ausgabe werden Regeln erklärt, die die Sicherheit aller gewährleisten.
Die Betreuerinnen begleiten den Offenen Bereich in unterschiedlicher Art und
Intensität, je nach Bedarf der dort stattfindenden Aktivitäten. Dies reicht
vom Leisten kleiner gezielter Hilfestellungen bis hin zum Wahrnehmen und
Aufgreifen spontaner Wünsche und Interessen der Kinder und Jugendlichen und
Überleitung in eine begleitete Einzel- oder Gruppenaktivität.
8.3. Ferienangebote
Besonders während der Ferien ist das Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen nach attraktiver Freizeitgestaltung sehr groß. In diesen "Hoch-Zeiten" bietet der Kinder- und Jugendbauernhof zusätzliche Unternehmungen an. Dazu zählen z.B. Kinder-Übernachtungen auf dem Bauernhof (mit Spielaktionen, Nachtwanderungen etc.), Badeausflüge, Geländespiele, ein- und mehrtägige Kanutouren und Ausritte, Radtouren, Besuche anderer Jugendfarmen/-einrichtungen, Strandrallyes, Fußballturniere mit Besuchern anderer Einrichtungen, Reisen in Nachbarländer (DK), Teilnahme an internationalen Jugendaustauschprogrammen inklusive Auslandsreisen und Beherbergung von Kindern und Jugendlichen aus anderen Ländern auf dem Kinder- und Jugendbauernhof.
9.1. Strukturierende Angebote
Handlungs- und Zeitstrukturen im Tages-,
Wochen- und Jahresrhythmus sind durch die regelmäßigen Abläufe auf einem
Bauernhof vorgegeben. Der Ablauf eines Tages wird durch die tägliche
Versorgung der Tiere und Pflanzen, der Verlauf einer Wochen durch die
regelmäßigen Angebote bestimmt. Der Jahreskreislauf und die damit verbundenen
Feste geben das Tätigsein mit Tieren und Pflanzen auf natürliche Weise vor.
Dabei erleben die Kinder und Jugendlichen den Sinn und die Notwendigkeit von
Zeit-, Orts- und Arbeitsstrukturen auf unmittelbare und für sie einsehbare
Weise.
9.2. Angebote zur gesunden Ernährung
Die Kinder haben die Möglichkeit, auf dem
Kinder- und Jugendbauernhof kostenlos eine warme Mahlzeit zu erhalten.
In gemütlichem Rahmen finden die Kinder hier Gelegenheit miteinander zu
Gesprächen anregende Tischkultur zu pflegen.
Bei den pädagogischen Kochangeboten und besonders zur Erntezeit lernen die
Kinder und Jugendlichen einfache, gesunde, preisgünstige und schmackhafte
Gerichte herzustellen und dabei verschiedene Techniken der
Nahrungsmittelzubereitung und Haltbarmachung kennen.
Das bietet Ihnen ein gesundheitsförderndes, alternatives Nahrungsangebot zu
dem in unserer Gesellschaft wachsenden Konsum von Fastfood.
Bereits beim Lebensmitteleinkauf beteiligen sich die Kinder und Jugendlichen
dabei, gesunde Nahrungsmittel auszuwählen und preisgünstig einzukaufen.
9.3. Angebote zur Schul-, Berufs- und Arbeitswelt
Diese Angebote verfolgen den Zweck, die
Kinder und Jugendlichen in ihrer schulischen Entwicklung zu fördern und sie
auf ihre Zukunft in der Berufs- und Arbeitswelt unterstützend vorzubereiten.
Diese Angebote richten sich auch und gerade an Kinder und Jugendliche, die aus
Migrationsfamilien stammen.
9.3.1. Schulaufgabenhilfe
Die Kinder werden mit Hilfe spielerischer Lernformen zweimal wöchentlich in den verschiedenen Schulfächern individuell unterstützt. Dieses integrative Lernangebot richtet sich speziell an Kinder aus fremdsprachigen Herkunftsfamilien und deutsche Kinder, um ihre Fertigkeiten beim Lesen, Rechnen und Schreiben zu steigern und ihr Interesse dafür zu wecken .
9.3.2. Angebote zur Vorbereitung auf die Berufs- und Arbeitswelt
Praktischer Anknüpfungspunkt für berufsvorbereitende Kurse im Jugendbereich sind spezielle Angebote im Rahmen der Landwirtschaftsgruppe und solchen in den Bereichen Handwerk und Technik. In Angeboten en zur Holz- und Metallverarbeitung, Schweißen, Elektrotechnik und Motorenkunde bauen die Jugendlichen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse aus, erproben und vertiefen sie. Hier entstehen Vorstellungen zu handwerklichen Berufen und Wünsche nach einem Ausbildungsplatz in diesen Bereichen und werden beim Ausprobieren und im Gespräch mit anderen konkretisiert.
Im Rahmen weiterer Angebote besichtigen die
Jugendlichen Betriebe und lernen verschiedene Berufszweige und
Beratungsstellen kennen. Mit Betreuern und zuständigen Ansprechpartnern von
außen führen die Jugendlichen Diskussionen zum Thema Ausbildungsplatz.
Vorhandene Hemmschwellen werden abgebaut und erste Kontakte mit der
Arbeitswelt geknüpft.
In weiteren Kursen üben die Jugendlichen mit ihren Betreuerinnen die
Erstellung von Bewerbungsunterlagen und die Vorbereitung auf das
Bewerbungsgespräch.
Viele von den Jugendlichen absolvierten Kursinhalte sind als Qualifizierung
einzustufen.
Bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, den nötigen Kontaktaufnahmen etc.
finden die Jugendlichen auf dem Kinder- und Jugendbauernhof konkrete
Unterstützung.
9.3.3. PC- und Internet für Kinder und Jugendliche
Die PC- und Internetangebote sind ein wichtiger Schritt, Kindern und Jugendlichen in ihrer Freizeit ein Stück Technik- und Medienkompetenz zu vermitteln.
In einem eigens für diesen Zweck
eingerichteten Raum haben sie unter Anleitung die Möglichkeit zum Surfen, Versenden und Erhalten von eMail´s etc..
Wer sich mehr für die Belange des Hofes interessiert, beteiligt sich an der
Erstellung einer Hofzeitung oder der Gestaltung einer hofeigenen Homepage.
Wer Probleme in der Schule hat, nutzt die
PC-Gestützten Lernhilfen. Zukünftige
Schulabgängerinnen informieren sich über Möglichkeiten zur Berufsausbildung
und erstellen hier ihre Bewerbungsunterlagen.
In allen Angeboten wird in Kleingruppen gearbeitet.
10.1. Personal
Auf dem Kinder- und Jugendbauernhof arbeiten sechs pädagogische Fachkräfte:
Weitere Mitarbeiter sind: Zivildienstleistende (3), ein Hausmeister (70%). Zusätzliches Personal außerhalb des Stellenplans wird gestellt durch: ABM-, HZA-, FÖJ- und Honorarkräfte sowie ehrenamtliche Mitarbeiterinnen.
10.2. Raum- und Geländeausstattung
Zum Kinder- und Jugendbauernhof gehören
5,3 ha Gelände, dazu kommen 4,2 ha gepachtetes Weideland.
Im einzelnen umfaßt das Hofgelände folgende Flächen und Gebäude:
Reitbereich
Zum Reitbereich gehören:
Kinderbereich
Zum Kinderbereich gehören:
Jugendbereich
Im Jugendbereich gibt es:
Hinzu kommen Obststreuwiesen,
Feuchtbiotope, Weiden und Mähwiesen.
Die Innenräume sind i.d.R. klein, der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den
bauernhofspezifischen Aktivitäten im Außengelände.
Weitere Gebäude / Nutzcontainer dienen als Lager- und Unterstellmöglichkeiten sowie als Pausenräume für die Mitarbeiter.
Zum Tierbestand des Hofes gehören eine
wechselnde Zahl an Nutz- und Kleintieren (Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner,
Enten, Gänse, Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde und Katzen).
Der Reitbereich beherbergt ca. zehn Pferde / Ponys und einen Esel.
10.3. Finanzielle Absicherung
Im Vertrag mit der Landeshauptstadt Kiel vom 28. September 1982 ist festgelegt, daß die Stadt Kiel 100% der Personal und 95% der Sachkosten trägt. Die zusätzliche Einwerbung von Drittmitteln (Sponsoring, Spenden, Einnahmen etc.) ist notwendig.
Öffnungszeiten
| Montag | 10.00 - 18.00 Uhr |
| Dienstag, Freitag ,Samstag | 10.00 - 20.00 Uhr |
| Mittwoch, Donnerstag | 10.00 - 19.00 Uhr |
| Feiertags, Sonntags | immer geschlossen |
12. Zielkontrolle und Qualitätssicherung
Die pädagogische Arbeit auf dem Hof basiert auf:
Die Zielkontrolle der Arbeit erfolgt durch:
Die Qualitätssicherung wird gewährleistet durch:
Außerdem wird gearbeitet mit:
Maßnahmenplänen, Stellenbeschreibungen, Besucherstatistiken, Besucherbefragungen.
13. Vernetzung / Kooperationspartner
Mit folgenden Einrichtungen und Gremien arbeitet der Kinder- und Jugendbauernhof zusammen:
Außerdem engagiert sich der Kinder- und Jugendbauernhof (nicht nur) im Stadtteil durch: